Ich wähle nicht. Warum auch? Deutschland wählt heute, und ich bin eingeladen, mitzumachen. Aber was wäre mein Kreuz wert? Eine leere Geste in einem System, das sich selbst erhalten will. Ich lebe in der Türkei, fernab der verregneten Straßen, in denen Phrasen verfaulen wie Herbstlaub. Ich könnte wählen, müsste mich nur eintragen – doch warum über ein Land richten, das mich längst nicht mehr betrifft?
Ich bin nicht einmal dort gemeldet. Deutschland existiert für mich nur noch in Erinnerungen, in Schlagzeilen, in Gesprächen mit Menschen, die noch Teil dieser Maschinerie sind. Ich will nicht über sie entscheiden. Nicht über ihre Steuern, nicht über ihre Gesetze, nicht über ihren Alltag. Es wäre anmaßend, arrogant, so zu tun, als könnte ich aus der Ferne besser wissen, was gut für sie ist.

Die Parteien? Ach, sie sind ein Theaterstück, in dem die Rollen feststehen.
SPD, Der alternde Therapeut, der immer wieder verspricht, dich zu heilen, aber deine Krankheiten nur verwaltet. CDU, Ein Relikt aus Großvaters Zeiten, das sich mit jedem Jahrzehnt selbst konserviert. Die Grünen, Missionare des schlechten Gewissens, deren Ideale immer dann nachgeben, wenn es um Macht geht.
FDP, Der Verkäufer, der dir einen rostigen Ferrari andreht und lächelt, wenn du ihn nach der Garantie fragst. Die Linke, Ein schlafender Hund, der ab und zu bellt, aber niemanden beißt.
Und dann die AfD.
Was wäre, wenn sie an die Macht käme? Man sagt, es wäre der Untergang, das Ende der Demokratie, das zweite 1933. Aber wäre es das wirklich? Oder wäre es einfach nur ein anderes Kapitel in diesem ewigen Buch deutscher Unzufriedenheit? Die AfD lebt von der Angst, so wie jede Partei, nur spricht sie sie direkter aus. Sie droht, schimpft, ruft zur Ordnung – als wäre das Land eine Schulklasse, die auf den strengen Lehrer wartet. Würde es besser werden? Wohl kaum. Anders? Vielleicht.
Die Deutschen wählen heute, doch wählen sie wirklich? Oder setzen sie nur ihr Kreuz, weil man es so tut? Weil man sich danach einreden kann, Teil von etwas Größerem zu sein? Ich werde nicht wählen. Mein Leben gehört nicht mehr diesem Land. Es ist ein merkwürdiges Gefühl: das Recht zu haben, aber keine Pflicht zu empfinden.
Vielleicht ist das wahre Privileg nicht das Wahlrecht, sondern die Freiheit, es ungenutzt zu lassen.

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