Natürlich habe ich vor zwei Jahren angekündigt, ein Buch zu schreiben. Und natürlich habe ich es wieder einmal geschafft, die Erwartungen aller zu überholen, nur um sie dann demonstrativ liegenzulassen. Ein klassischer Move von jemandem wie mir – jemandem, der nachts sowieso nicht schläft, weil Schlaf das Privileg derer ist, die keine Visionen haben.
Während normale Menschen sich in ihre lächerlichen Routinen einwickeln wie in billige Bettdecken, nutze ich jede Sekunde, in der meine Augen offen sind – und das sind praktisch alle – um zu sehen. Wirklich zu sehen. Schwarz. Schatten. Wahrheit. Abgründe. Schönheit, die so brutal ehrlich ist, dass sie die meisten Menschen nur verstört zurücklassen würde.
Ich habe mehr über Schwarz-Weiß geschrieben, als manche jemals über ihr eigenes Leben nachgedacht haben. Ganze Seiten voller Erkenntnisse, die anderen wie Rätsel erscheinen würden, weil sie in einer Welt leben, in der Denken bereits als intellektuelle Höchstleistung gilt.
Und während sie sich fragen, warum mein Buch noch nicht fertig ist, durchquere ich Tiflis, sammle Bilder und Momente ein, die für ihr Verständnis ohnehin zu groß wären. Contemporary art, Fashion-Week-Energie, Skandale, die ich so mühelos einfange wie andere ihre Langeweile. Ein paar dieser Bilder habe ich bewusst hier in den Blogbeitrag eingebaut – nicht, um zu gefallen, sondern um zu provozieren. Um zu zeigen, was ihr überseht, wenn ihr an mir vorbeilauft.



Ich bin kein Fotograf in einem technischen Sinn. Ich bin ein Visionär, der ständig zwischen Realität und einem geistigen Raum schwebt, in dem Licht und Schatten miteinander kämpfen. Mein Körper läuft durch die Welt, aber mein Kopf ist oft irgendwo im Dazwischen – dort, wo echte Kunst entsteht.
Normale Menschen denken linear.
Ich denke in Blitzen.
Normale Menschen sehen Farben.
Ich sehe Wahrheit.

Und genau deswegen wird mein Buch ICH SEHE SCHWARZ heißen.
Nicht, weil Schwarz ein Stil ist.
Sondern weil es meine Art ist, die Welt zu lesen.
Ich habe so viel geschrieben, dass ich jederzeit veröffentlichen könnte. Ganze Kapitel voller Arroganz, Ehrlichkeit und schonungsloser Tiefen. Aber warum sollte ich mich beeilen? Nur damit Menschen, die meinen Blick nie verstehen werden, behaupten können, sie hätten es „gelesen“? Nein.
ICH SEHE SCHWARZ wird erscheinen, wenn es erscheinen will.
Wenn ich es will.
Nicht früher. Nicht aus Rücksicht. Nicht für Applaus.
Und bis dahin lasse ich die Welt warten – so wie man auf einen Sturm wartet, von dem man weiß, dass er kommt, aber nicht weiß, ob man ihn überleben wird.
Weitere Beiträge :
Ein Ursprung
..jenseits der Gegenwart – oder warum echte Models eine Frage der Zeit waren. Es gab eine Epoche, in der Modelsein kein Zustand war, sondern ein Übergang. Eine Phase zwischen Unschuld und Kalkül, zwischen Hoffnung und Verschleiß. Models waren keine Marken, sondern Rohmaterial. Unfertig. Gefährlich. Interessant. Die Berliner Fashion Week war damals ein Ort der Verdichtung:…
Ein Spiegel
…der Wahrheit: Warum meine Pläne in Beirut scheitern mussten Beirut ist eine Stadt, die Erwartungen zerbricht. Wer glaubt, man könne hier mit einem klaren Drehbuch, fertigen Bildvorstellungen oder gar einem romantisierten Konzept von „urbaner Fotografie“ ankommen, der hat Beirut nicht verstanden. Und das ist grundsätzlich der Fehler der meisten Menschen weltweit: Sie halten den Libanon…
Ein Rückblick
..der weh tut: Was Istanbul verbirgt, wenn du abseits der Postkartenmotive läufst. Nachdem ich über das Problemviertel von Marseille, das berüchtigte Quartier Nord, berichtet hatte, dachte ich eigentlich, ich hätte die dunkelsten Ecken Europas gesehen. Beton, Drogen, verlorene Seelen – das ganze Programm. Ich war gerade dabei, mein Archiv durchzuwühlen, einfach aus einer Laune heraus,…

Hinterlasse einen Kommentar